Wie unsere Gedanken das Essen beeinflussen
- Violeta P
- 19. März 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 30. März 2025
Unsere Wahrnehmung von Nahrung beeinflusst, wie unser Körper darauf reagiert. Dass
psychologische Faktoren eine bedeutende Rolle bei unserer Verdauung, Sättigung und
Nahrungsverwertung spielen, zeigt eine aufschlussreiche Studie der Psychologin Alia Crum und ihrer Kollegen aus dem Jahr 2011, die im Fachjournal Health Psychology veröffentlicht wurde.
Wie Erwartungen den Körper beeinflussen – Die "Mind over Milkshakes"-Studie
In dieser Studie bekamen 46 Teilnehmer zwei Mal denselben 380-Kalorien-Smoothie zu trinken. Doch es gab eine entscheidende Manipulation: Beim ersten Mal wurde der Shake als "Indulgent" (dekadent) beschrieben, mit 620 Kalorien und reichhaltigen Zutaten. Beim zweiten Mal wurde er als "Sensi-Shake" beworben – ein gesunder, fettarmer Smoothie mit nur 140 Kalorien. Vor und nach dem Verzehr wurde der Ghrelinspiegel (ein Hormon, das Hunger reguliert) gemessen.
Das Ergebnis:
Nach dem vermeintlich "reichhaltigen" Shake sank der Ghrelinspiegel deutlich stärker als nach dem "gesunden" Shake.
Obwohl beide exakt dieselben Nährwerte hatten, reagierte der Körper auf die Erwartung der Teilnehmer – nicht auf den tatsächlichen Kaloriengehalt.
Was bedeutet das für uns?
Unsere Psyche steuert mehr als wir denken. Wenn wir glauben, dass etwas besonders nahrhaft und sättigend ist, reagiert unser Körper entsprechend. Und das funktioniert auch umgekehrt: Wer überzeugt ist, dass "gesunde" Nahrung nicht satt macht, könnte tatsächlich länger hungrig bleiben – obwohl die Kalorienbilanz identisch ist.
Aber was macht diese Erkenntnis mit uns in einer Welt voller Ernährungsverbote, Warnungen und Gesundheitsängste? Überall gibt es Gebote und Verbote, die oft schwer einzuhalten sind:
"Dieses Lebensmittel ist ein Dickmacher."
"Das ist krebserregend."
"Alles, was schmeckt, ist gefährlich."
"Gute, natürliche Lebensmittel gibt es kaum noch – alles ist gespritzt, mit Antibiotika belastet oder in Plastik verpackt."

Wenn unser Bewusstsein unsere physiologische Reaktion auf Essen so stark beeinflusst, dann ist die Frage: Was macht eine dauerhafte Angst vor Nahrung mit unserem Körper?
Diese Ergebnisse sind kein Einzelfall. Ähnliche Untersuchungen zeigen, dass Erwartungen, Emotionen und kulturelle Prägungen direkten Einfluss auf unsere physiologischen Reaktionen haben:
1. Wansink, B., & Chandon, P. (2006). Can "low-fat" nutrition labels lead to overconsumption? Journal of Marketing Research, 43(4), 605–617.
→ Diese Studie zeigt, dass Menschen größere Mengen essen, wenn ein Produkt als "fettarm" gekennzeichnet ist – weil sie glauben, es sei harmlos.
2. Rothman, A. J., Sheeran, P., & Wood, W. (2009). Expectations and behavior change: The role of belief in self-regulation. Psychological Science, 20(4), 404–410.
→ Erwartungen an Essen beeinflussen nicht nur Hunger, sondern auch langfristiges
Essverhalten.
3. Crum, A. J., Salovey, P., & Achor, S. (2013). Rethinking stress: The role of mindsets in
determining the stress response. Journal of Experimental Psychology, 142(2), 717–725.
→ Auch bei Stress zeigt sich dieser Mechanismus: Wer Stress als "anregend" wahrnimmt, hat weniger gesundheitsschädliche Effekte als jene, die ihn als "schädlich" empfinden.
Fazit: Unser Kopf isst mit
Die Art, wie wir über Nahrung denken, beeinflusst, wie unser Körper darauf reagiert. Wenn wir Essen ständig mit Angst und Unsicherheit verbinden, kann das zu langfristigen Problemen führen – nicht nur psychisch, sondern auch physiologisch. Vielleicht ist es an der Zeit, mit mehr Gelassenheit, Vertrauen und Genuss an das Thema Ernährung heranzugehen – für eine gesündere Beziehung zum Essen und zum eigenen Körper.
Genau das möchte ich mit meiner Arbeit erreichen.



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